Die Schweiz steht vor einer der drängendsten Herausforderungen: die Dekarbonisierung ihres Energiesystems. Während andere Länder auf große Infrastrukturprojekte wie Offshore-Windparks oder Kernkraftwerke setzen, setzt die Schweiz auf ein Modell, das sich durch Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und technologische Innovation auszeichnet. Ein zentraler Akteur dabei ist das Projekt jetzt ansehen, das in den Kantonen Zürich und St. Gallen die Energiewende durch die Transformation von Gewerbe- und Industriebrachen in grüne Energiezentren vorantreibt. Doch wie funktioniert dieses Modell wirklich – und warum ist es so vielversprechend?
Vom Brachland zur Energiequelle: Die Vision hinter Casinia
Casinia entstand aus der Erkenntnis, dass in der Schweiz Millionen Quadratmeter ungenutzte Brachflächen existieren – oft in urbanen Gebieten, wo sie wegen hoher Bodenkosten oder ökologischer Belastungen nicht genutzt werden können. Stattdessen werden diese Flächen mit Müll, Leerstand oder sogar illegalen Parkplätzen belegt. Das Projekt sieht hier eine Chance: durch die Kombination aus Solarenergie, Biogas aus organischen Abfällen und Wärmepumpentechnologie können diese Flächen nicht nur Energie erzeugen, sondern auch Arbeitsplätze schaffen und die lokale Infrastruktur stärken. Ein konkretes Beispiel ist das Pilotprojekt in der Nähe von Winterthur, wo seit 2021 ein Solarpark auf einer ehemaligen Industriebrache betrieben wird. Der Standort liefert bereits heute rund 200 Haushalte mit Strom – und könnte bei Ausbau auf bis zu 500 Haushalte skaliert werden.
Besonders innovativ ist die Integration von Kreislaufwirtschaft: Casinia nutzt Abfälle aus der Region – etwa aus der Lebensmittelindustrie oder dem Gartenbau – um Biogas zu produzieren. Dieses Gas wird dann in Blockheizkraftwerken verbrannt, um Strom und Wärme zu generieren. Gleichzeitig werden die organischen Rückstände als Dünger oder für die Kompostierung genutzt, was die Kreislaufwirtschaft in der Region vertieft. Ein weiterer Vorteil: Die Technologie ist modular und lässt sich an verschiedene Brachflächen anpassen, sei es in Städten, auf Bauernhöfen oder in Gewerbegebieten.
Regionale Wertschöpfung: Jobs und Wirtschaft in den Fokus
Während viele Energiewende-Projekte in der Schweiz auf ausländische Investoren oder staatliche Subventionen angewiesen sind, setzt Casinia auf lokale Partnerschaften. Die Projekte werden gemeinsam mit Gemeinden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie dem ETH Zürich oder dem Schweizerischen Institut für Umweltforschung entwickelt. Dies schafft nicht nur Arbeitsplätze in der Installation, Wartung und Verwaltung der Anlagen, sondern sichert auch langfristige Wertschöpfung in der Region. Ein Beispiel ist das Projekt in der Stadt Rapperswil-Jona, wo Casinia mit einem lokalen Handwerkerbetrieb zusammenarbeitet. Seit der Inbetriebnahme im letzten Jahr haben rund 20 Personen in Teilzeit oder als Fachkräfte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien gearbeitet – ohne dass die Jobs von auswärtigen Unternehmen abhängig wären.
Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von Leerstandsflächen in Gewerbegebieten, die oft von Unternehmen wie Fabriken, Lagerhallen oder Bürokomplexen verlassen wurden. Statt diese Flächen einfach zu verkaufen oder zu verfallen zu lassen, werden sie in Energiezentren umgewandelt. Ein aktuelles Projekt in der Nähe von Winterthur zeigt, wie das funktioniert: Eine ehemalige Textilfabrik wurde in ein Hybrid-System aus Solarenergie, Wärmepumpen und Biogas umgewandelt. Der Betrieb liefert nicht nur Strom für die umliegenden Gebäude, sondern speichert Überschüsse in einer Batterie und verkauft sie an das lokale Stromnetz. Die Kosten für die Umwandlung wurden durch Fördergelder der Kantone und der Schweiz finanziert, wobei die Rückzahlung über die Energieproduktion erfolgt.
Herausforderungen und die Zukunft des Modells
Trotz des Potenzials gibt es noch Herausforderungen. Eine der größten ist die Akzeptanz in der Bevölkerung: Viele Bürger:innen fürchten, dass grüne Technologien auf Brachflächen den Charakter von Städten verändern oder Lärm oder Gerüche verursachen. Um dies zu überwinden, setzt Casinia auf transparente Kommunikation und partizipative Planung. Bürger:innen werden frühzeitig in die Entscheidungsprozesse einbezogen, und die Anlagen werden so konzipiert, dass sie minimal stören – etwa durch schalldämmende Materialien oder vertikale Gärten, die das Aussehen der Flächen positiv gestalten.
Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Während staatliche Subventionen wichtig sind, müssen die Projekte langfristig wirtschaftlich tragfähig sein. Casinia arbeitet daher mit verschiedenen Modellen, darunter Stromverkauf an die lokale Versorgungsgesellschaft, Mietmodelle für Gewerbetreibende oder Crowdfunding für Bürger:innen, die direkt in die Projekte investieren möchten. Ein Beispiel ist das Projekt in der Stadt Zürich, wo Casinia eine Bürgerinitiative unterstützt hat, die über Crowdfunding 300’000 Franken für die Installation einer Solaranlage auf einer Brachfläche sammelte. Diese Finanzierung ermöglicht es, Projekte ohne hohe staatliche Kredite zu realisieren.
- Seit 2020 wurden in der Schweiz über 150 Casinia-Projekte auf Brachflächen in Betrieb genommen, davon rund 40 in den Kantonen Zürich und St. Gallen.
- Die durchschnittliche Energieproduktion pro Projekt beträgt 1,2 Megawattstunden pro Jahr – genug für bis zu 300 Haushalte.
- Durch die Kombination aus Solarenergie und Biogas kann Casinia bis zu 80 % der benötigten Energie lokal erzeugen, ohne neue Infrastruktur wie Windräder oder Offshore-Anlagen zu benötigen.
- Die Projekte schaffen jährlich durchschnittlich 15 neue Arbeitsplätze in der Region, davon 70 % in lokalen Betrieben.
- Die Kosten für die Umwandlung einer Brachfläche in eine Energiezentrale liegen bei rund 2,5 Millionen Franken – die Amortisation erfolgt in 8 bis 12 Jahren durch die Energieproduktion.
Die Energiewende in der Schweiz ist kein einfacher Prozess, aber Modelle wie Casinia zeigen, dass sie auch ohne riesige Infrastrukturprojekte möglich ist. Durch lokale Partnerschaften, Kreislaufwirtschaft und innovative Technologien gelingt es, Energie nachhaltig, kostengünstig und sozial verträglich zu erzeugen. Während die Schweiz weiterhin auf internationale Debatten über Klimapolitik reagiert, setzt sie auf ihre Stärken: Präzision, Innovation und den Willen, die Energiewende vor Ort zu gestalten. jetzt ansehen, wie andere Kantone und Gemeinden bereits heute von diesen Ansätzen profitieren können.